Du möchtest Gitarre lernen und schon bald deine ersten Lieder spielen? Dann brauchst du weder jahrelange musikalische Erfahrung noch ein besonders teures Instrument. Mit einer geeigneten Gitarre, einigen grundlegenden Akkorden und einem überschaubaren Übungsplan kannst du bereits nach kurzer Zeit einfache Melodien und Liedbegleitungen spielen.

Die Gitarre zählt zu den beliebtesten Musikinstrumenten. Ob Pop, Rock, Folk, Blues oder klassische Musik: Kaum ein anderes Instrument lässt sich so vielseitig einsetzen. Außerdem kannst du es relativ einfach transportieren und sowohl allein als auch gemeinsam mit anderen Musikern spielen.

Doch gerade am Anfang tauchen viele Fragen auf: Welche Gitarre eignet sich für Anfänger? Wie werden die Saiten gestimmt? Welche Akkorde sollte man zuerst lernen? Und wie schafft man es, beim Spielen die Finger richtig zu koordinieren?

In diesem Ratgeber führen wir dich Schritt für Schritt durch die Grundlagen. Du lernst die wichtigsten Bestandteile deiner Gitarre kennen, übst deine ersten fünf Akkorde, probierst einfache Schlagmuster aus und erhältst einen 4-Wochen-Trainingsplan für Gitarrenanfänger.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Gitarre lernen ist auch ohne musikalische Vorkenntnisse und im Erwachsenenalter möglich.
  • Für den Einstieg eignen sich häufig eine Konzertgitarre oder eine Westerngitarre.
  • Die sechs Gitarrensaiten heißen in der Standardstimmung E – A – D – G – H – E.
  • Mit wenigen offenen Akkorden kannst du bereits viele einfache Liedbegleitungen spielen.
  • 15 bis 30 Minuten regelmäßiges Üben sind für Anfänger ein guter Ausgangspunkt.
  • Ein einfacher Lernplan hilft dir, Fingerfertigkeit, Rhythmusgefühl und Akkordwechsel systematisch zu verbessern.

1. Kann jeder Gitarre spielen lernen?

Grundsätzlich kann nahezu jeder Mensch Gitarre spielen lernen. Du benötigst dafür weder ein besonderes musikalisches Talent noch die Fähigkeit, Noten zu lesen. Viel wichtiger sind Geduld, regelmäßiges Üben und Freude an der Musik.

Gerade Erwachsene fragen sich häufig, ob sie nicht zu spät mit dem Gitarrenspielen anfangen. Tatsächlich gibt es jedoch keine feste Altersgrenze. Auch mit 30, 40, 50 oder 60 Jahren kannst du ein neues Instrument erlernen.

Erwachsene haben sogar einige Vorteile: Sie können sich bewusst Ziele setzen, ihren Übungsalltag planen und theoretische Zusammenhänge häufig schnell verstehen.

Ist Gitarre lernen schwer?

Die ersten Schritte können ungewohnt sein. Besonders das Greifen der Saiten und die Koordination beider Hände benötigen etwas Übung.

Am Anfang sind folgende Herausforderungen typisch:

  • Die Fingerspitzen fühlen sich beim Greifen empfindlich an.
  • Einige Akkorde klingen zunächst unsauber.
  • Der Wechsel zwischen zwei Akkorden dauert lange.
  • Die Schlaghand findet noch keinen gleichmäßigen Rhythmus.
  • Die Finger treffen nicht immer die gewünschte Saite.

Diese Schwierigkeiten sind normal. Mit wiederholten, kontrollierten Bewegungen entwickeln sich die benötigten Fähigkeiten schrittweise.

Wie lange dauert es, Gitarre spielen zu lernen?

Das hängt von deinem Lernziel, der Übungshäufigkeit und deinem persönlichen Lerntempo ab. Eine einfache Melodie auf einer Saite kannst du möglicherweise schon während der ersten Übungseinheit spielen. Für flüssige Akkordwechsel benötigst du normalerweise mehr Zeit.

Übungsdauer Mögliche Fortschritte
1–2 Wochen Saiten kennenlernen, stimmen, erste Melodien und einfache Akkorde
1 Monat Mehrere Grundakkorde, erste Schlagmuster und einfache Liedbegleitungen
3 Monate Flüssigere Akkordwechsel und ein kleines Repertoire einfacher Songs
6–12 Monate Fortgeschrittene Begleitmuster, einfache Fingerpicking-Stücke und grundlegende Spieltechniken
Mehrere Jahre Anspruchsvollere Spieltechniken, komplexe Stücke und individuelle musikalische Ausdrucksmöglichkeiten

Die genannten Zeiträume sind nur grobe Orientierungswerte. Entscheidend ist, welche Stücke du spielen möchtest und wie regelmäßig und sinnvoll du übst.

2. Welche Gitarre eignet sich für Anfänger?

Bevor du mit dem Lernen beginnst, benötigst du eine passende Gitarre. Dabei stehen dir grundsätzlich drei verbreitete Gitarrentypen zur Auswahl: Konzertgitarre, Westerngitarre und E-Gitarre.

Jede Variante hat eigene Eigenschaften und eignet sich für unterschiedliche Musikrichtungen.

Konzertgitarre: Der klassische Einstieg

Die Konzertgitarre besitzt Nylonsaiten und wird häufig im klassischen Gitarrenunterricht eingesetzt. Die Saiten fühlen sich meist weicher an als die Stahlsaiten einer Westerngitarre.

Typische Vorteile:

  • Nylonsaiten sind für viele Anfänger angenehm zu greifen.
  • Der Klang ist warm und weich.
  • Sie eignet sich für klassische Musik, Liedbegleitung und Fingerstyle.
  • Es gibt zahlreiche günstige Einsteigermodelle.

Allerdings ist der Hals vieler Konzertgitarren vergleichsweise breit. Das kann gerade für Menschen mit kleineren Händen zunächst ungewohnt sein.

Westerngitarre: Ideal für Pop, Folk und Liedbegleitung

Die Westerngitarre besitzt Stahlsaiten und erzeugt häufig einen brillanteren, durchsetzungsfähigeren Klang.

Sie eignet sich besonders für:

  • Pop- und Rocksongs
  • Folk und Country
  • Akustische Singer-Songwriter-Musik
  • Rhythmische Akkordbegleitung

Die Stahlsaiten können sich am Anfang etwas härter anfühlen. Eine gut eingestellte Saitenlage hilft jedoch dabei, das Greifen zu erleichtern.

E-Gitarre: Für Rock, Blues und moderne Musik

Eine E-Gitarre erzeugt ihren typischen Klang mithilfe elektromagnetischer Tonabnehmer und eines Verstärkers beziehungsweise einer geeigneten digitalen Klangverarbeitung.

Viele E-Gitarren besitzen relativ schmale Hälse und lassen sich mit wenig Greifkraft spielen, sofern sie richtig eingestellt sind.

Wenn du vor allem Rock, Metal oder Blues spielen möchtest, kann eine E-Gitarre deshalb auch als erstes Instrument sinnvoll sein.

Die drei Gitarrentypen im Vergleich

Eigenschaft Konzertgitarre Westerngitarre E-Gitarre
Saiten Nylon Stahl Metall
Klang Warm, weich Brillant, akustisch Vielseitig, verstärkt
Hals Oft breiter Meist schmaler Häufig schlank
Zusätzliche Technik Nicht nötig Nicht nötig Verstärker oder Audio-Lösung sinnvoll
Typische Musikrichtungen Klassik, Fingerstyle Pop, Folk, Country Rock, Blues, Metal

Unsere Empfehlung: Wenn du noch keine bestimmte Musikrichtung bevorzugst, ist eine Konzertgitarre ein guter Ausgangspunkt. Möchtest du vor allem akustische Popsongs begleiten, kann eine Westerngitarre besser passen. Für Rock- und E-Gitarrenmusik solltest du direkt mit einer E-Gitarre beginnen.

3. Was braucht man zum Gitarrelernen?

Neben der eigentlichen Gitarre benötigst du nur wenig Zubehör. Einige Hilfsmittel erleichtern dir jedoch das Stimmen, Üben und Transportieren.

Zubehör Wofür? Wichtigkeit
Stimmgerät Saiten korrekt stimmen Unverzichtbar
Plektrum Saiten anschlagen Empfehlenswert
Gitarrentasche Transport und Schutz Empfehlenswert
Ersatzsaiten Bei Verschleiß oder Saitenriss Sinnvoll
Metronom Gleichmäßigen Rhythmus trainieren Sehr sinnvoll
Gitarrenständer Sichere Aufbewahrung Optional
Kapodaster Tonhöhe offener Akkorde verändern Später hilfreich

Ein digitales Stimmgerät oder eine entsprechende Smartphone-App reicht für die ersten Übungen häufig aus. Für regelmäßiges Musizieren ist ein zuverlässiges Stimmgerät dennoch eine gute Investition.

4. Die Gitarre kennenlernen: Aufbau und Saiten

Bevor du deine ersten Akkorde spielst, solltest du die wichtigsten Bestandteile einer Gitarre kennen.

Die wichtigsten Teile

  • Kopfplatte: Hier befinden sich die Mechaniken zum Stimmen der Saiten.
  • Gitarrenhals: Auf ihm befindet sich das Griffbrett.
  • Griffbrett: Hier greifst du die Saiten mit den Fingern.
  • Bünde: Die Metallstäbchen unterteilen das Griffbrett in Halbtonschritte.
  • Korpus: Er beeinflusst die Klangeigenschaften und die Ergonomie.
  • Steg: Hier werden die Saiten am Korpus befestigt beziehungsweise darüber geführt.
  • Schallloch: Bei vielen akustischen Gitarren trägt es zur Schallabstrahlung bei.

Wie heißen die sechs Gitarrensaiten?

Eine gewöhnliche sechssaitige Gitarre wird in der Standardstimmung auf folgende Töne gestimmt:

E – A – D – G – H – E

Von der tiefsten zur höchsten Saite

Die dickste Saite ist die tiefe E-Saite. Sie wird als sechste Saite bezeichnet. Die dünnste Saite ist die hohe E-Saite und wird als erste Saite bezeichnet.

Die Nummerierung lautet daher:

Saite Ton Beschreibung
6 E Tiefste, dickste Saite
5 A Zweittiefste Saite
4 D Vierte Saite
3 G Dritte Saite
2 H Zweite Saite
1 E Höchste, dünnste Saite

Eine bekannte Eselsbrücke lautet: Eine Alte Dame Geht Heringe Essen. Die Anfangsbuchstaben entsprechen den sechs Saitentönen von tief nach hoch.

Beachte, dass im englischsprachigen Raum die zweite Saite mit B statt H bezeichnet wird.

5. Gitarre richtig stimmen – so funktioniert es

Eine korrekt gestimmte Gitarre ist die Grundlage für einen angenehmen Klang. Selbst richtig gegriffene Akkorde können unsauber klingen, wenn die Saiten verstimmt sind.

Für Anfänger ist ein chromatisches Stimmgerät besonders praktisch.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Schalte dein Stimmgerät ein und wähle gegebenenfalls den Gitarrenmodus.
  2. Schlage die tiefe E-Saite einzeln an.
  3. Prüfe, welcher Ton angezeigt wird.
  4. Drehe die passende Stimmmechanik vorsichtig, bis das Gerät den korrekten Ton anzeigt.
  5. Wiederhole den Vorgang mit A, D, G, H und der hohen E-Saite.
  6. Kontrolliere abschließend alle sechs Saiten erneut.

Beim Stimmen solltest du langsam und vorsichtig vorgehen. Wenn du eine Saite versehentlich zu stark spannst, kann sie reißen.

Versuche, dich beim Erreichen des Zieltons möglichst von einer etwas tieferen Stimmung nach oben anzunähern. Das hilft häufig dabei, die Saite stabil zu stimmen.

Anfängertipp: Stimme deine Gitarre vor jeder Übungseinheit. Gerade neue Saiten können sich anfangs häufiger verstimmen. Nach und nach entwickelst du auch ein besseres Gehör für die richtigen Töne.

6. Die richtige Haltung beim Gitarrenspielen

Eine entspannte Körperhaltung macht das Gitarrelernen leichter und hilft dabei, unnötige Verspannungen zu vermeiden.

Setze dich auf einen stabilen Stuhl und halte deinen Rücken möglichst aufrecht. Die Gitarre sollte so positioniert sein, dass du das Griffbrett gut erreichen kannst, ohne die Schultern hochzuziehen oder das Handgelenk stark abzuknicken.

Die Aufgaben der beiden Hände

Bei Rechtshändergitarren übernimmt die linke Hand normalerweise das Greifen der Saiten auf dem Griffbrett. Die rechte Hand schlägt die Saiten an oder zupft sie.

Bei einer linkshändigen Spielweise sind die Aufgaben entsprechend vertauscht.

Richtige Position der Greifhand

  • Lege den Daumen locker an die Rückseite des Gitarrenhalses.
  • Greife die Saiten möglichst mit den Fingerkuppen.
  • Positioniere die Finger nahe hinter dem jeweiligen Bundstäbchen.
  • Vermeide unnötig starken Druck.
  • Halte das Handgelenk möglichst natürlich und beweglich.

Ein häufiger Anfängerfehler besteht darin, die Saite direkt auf dem Metallbund zu greifen. Besser ist es, sie knapp dahinter niederzudrücken.

So erhältst du meist einen klareren Ton und benötigst weniger Kraft.

7. Erste Gitarrenübung: Einzelne Töne spielen

Bevor du ganze Akkorde lernst, solltest du dich an die Bewegungen deiner Greifhand gewöhnen.

Eine einfache Übung ist das sogenannte Vier-Finger-Training.

Die 1-2-3-4-Übung

Beginne auf der tiefen E-Saite.

  1. Greife mit dem Zeigefinger den ersten Bund.
  2. Spiele mit dem Mittelfinger den zweiten Bund.
  3. Spiele mit dem Ringfinger den dritten Bund.
  4. Spiele mit dem kleinen Finger den vierten Bund.

Schlage jeden Ton einzeln an. Wiederhole dieselbe Folge anschließend auf der A-, D-, G-, H- und hohen E-Saite.

Die zugehörige Gitarren-Tabulatur sieht folgendermaßen aus:

e|-------------------------1-2-3-4-|
H|-----------------1-2-3-4---------|
G|-------------1-2-3-4-------------|
D|---------1-2-3-4-----------------|
A|-----1-2-3-4---------------------|
E|-1-2-3-4-------------------------|

Die Zahlen stehen für die Bundnummern, nicht für die Fingernummern. In dieser Übung verwendest du für die Bünde 1 bis 4 entsprechend Zeige-, Mittel-, Ring- und kleinen Finger.

Spiele langsam und achte darauf, dass jeder Ton sauber klingt. Wenn es unangenehm zieht oder schmerzt, reduziere die Belastung und überprüfe deine Haltung.

8. Die fünf wichtigsten Gitarrenakkorde für Anfänger

Akkorde gehören zu den wichtigsten Grundlagen der Liedbegleitung. Dabei greifst du mehrere Saiten gleichzeitig und erzeugst einen harmonischen Zusammenklang.

Schon mit wenigen Akkorden kannst du zahlreiche einfache Songs begleiten.

Für den Anfang empfehlen wir diese fünf offenen Akkorde:

  • E-Moll (Em)
  • A-Moll (Am)
  • C-Dur (C)
  • G-Dur (G)
  • D-Dur (D)

Die folgenden Griffangaben gelten für eine normal gestimmte sechssaitige Gitarre und eine rechtshändige Spielweise.

So liest du die Griffangaben:Die sechs Positionen werden von der tiefen E-Saite bis zur hohen E-Saite angegeben. Eine 0 bedeutet, dass die Saite leer gespielt wird. Ein X bedeutet, dass die Saite nicht angeschlagen werden soll. Die übrigen Zahlen bezeichnen die Bünde.

E-Moll (Em): Der ideale erste Akkord

E-Moll gehört zu den einfachsten Gitarrenakkorden. Du benötigst nur zwei Finger.

Griff: 0 – 2 – 2 – 0 – 0 – 0

  • Mittelfinger: Zweiter Bund der A-Saite
  • Ringfinger: Zweiter Bund der D-Saite
  • Alle übrigen Saiten leer spielen

Schlage die sechs Saiten langsam von oben nach unten an. Achte darauf, dass die Töne klar erklingen.

A-Moll (Am): Ein wichtiger Moll-Akkord

Griff: X – 0 – 2 – 2 – 1 – 0

  • Zeigefinger: Erster Bund der H-Saite
  • Mittelfinger: Zweiter Bund der D-Saite
  • Ringfinger: Zweiter Bund der G-Saite
  • Die tiefe E-Saite nicht anschlagen

A-Moll ist in zahlreichen Pop- und Rockballaden zu hören und eignet sich gut für erste Akkordwechsel.

C-Dur (C): Einer der wichtigsten Grundakkorde

Griff: X – 3 – 2 – 0 – 1 – 0

  • Zeigefinger: Erster Bund der H-Saite
  • Mittelfinger: Zweiter Bund der D-Saite
  • Ringfinger: Dritter Bund der A-Saite
  • Die tiefe E-Saite nicht anschlagen

Achte darauf, dass deine Finger die benachbarten Saiten nicht unbeabsichtigt berühren.

G-Dur (G): Der volle Klang

Griff: 3 – 2 – 0 – 0 – 0 – 3

Eine mögliche Griffweise:

  • Mittelfinger: Dritter Bund der tiefen E-Saite
  • Zeigefinger: Zweiter Bund der A-Saite
  • Ringfinger: Dritter Bund der hohen E-Saite
  • Alle übrigen Saiten leer spielen

Für G-Dur existieren mehrere gebräuchliche Fingersätze. Du kannst später auch Varianten mit vier Fingern ausprobieren.

D-Dur (D): Drei Finger auf den hohen Saiten

Griff: X – X – 0 – 2 – 3 – 2

  • Zeigefinger: Zweiter Bund der G-Saite
  • Mittelfinger: Zweiter Bund der hohen E-Saite
  • Ringfinger: Dritter Bund der H-Saite
  • Nur die vier höchsten Saiten anschlagen

D-Dur ist ein hervorragender Akkord, um die Koordination der Greiffinger zu trainieren.

Alle fünf Anfängerakkorde im Überblick

Akkord Griff (E–A–D–G–H–e) Schwierigkeit
Em 0-2-2-0-0-0 Sehr leicht
Am X-0-2-2-1-0 Leicht
C X-3-2-0-1-0 Leicht bis mittel
G 3-2-0-0-0-3 Mittel
D X-X-0-2-3-2 Leicht bis mittel

9. Akkordwechsel üben – so werden deine Finger schneller

Die einzelnen Akkorde zu greifen, ist nur der erste Schritt. Schwieriger wird es, wenn du ohne längere Unterbrechung zwischen ihnen wechseln möchtest.

Beginne am besten mit zwei Akkorden, die du bereits sicher greifen kannst.

Übung 1: Em und Am im Wechsel

  1. Greife den Em-Akkord.
  2. Schlage alle sechs Saiten einmal an.
  3. Wechsle langsam zum Am-Akkord.
  4. Schlage die fünf vorgesehenen Saiten an.
  5. Wiederhole den Wechsel zehnmal.

Versuche zunächst nicht, möglichst schnell zu werden. Achte vor allem darauf, dass alle Töne sauber erklingen.

Übung 2: C und G wechseln

Auch der Wechsel zwischen C-Dur und G-Dur ist eine wichtige Grundlage.

Spiele zunächst vier gleichmäßige Schläge auf C-Dur. Danach wechselst du zu G-Dur und spielst ebenfalls vier Schläge.

C – C – C – C | G – G – G – G

Beginne ohne Metronom und achte auf saubere Griffe. Anschließend kannst du beispielsweise 50 bis 60 BPM ausprobieren.

Übung 3: Vier-Akkorde-Folge

Eine besonders nützliche Akkordfolge für Anfänger lautet:

G – D – Em – C

Spiele jeden Akkord zunächst vier Schläge lang. Wiederhole die gesamte Folge mehrmals.

Diese harmonische Verbindung eignet sich hervorragend, um den Wechsel zwischen mehreren offenen Akkorden zu trainieren.

10. Schlagmuster für Anfänger lernen

Wenn du die ersten Akkorde greifen kannst, solltest du dich mit der Schlaghand beschäftigen. Sie bestimmt den Rhythmus deiner Liedbegleitung.

Beim sogenannten Strumming schlägst du mit den Fingern oder einem Plektrum über mehrere Saiten.

Ein Abschlag bewegt sich von den tiefen zu den hohen Saiten. Beim Aufschlag verläuft die Bewegung in die entgegengesetzte Richtung.

Schlagmuster 1: Vier einfache Abschläge

Beginne mit vier gleichmäßigen Abschlägen im 4/4-Takt.

↓   ↓   ↓   ↓

Jeder Pfeil steht für einen Schlag. Zähle dazu laut:

1 – 2 – 3 – 4

Diese Übung hilft dir, ein gleichmäßiges Tempo zu entwickeln.

Schlagmuster 2: Abschlag und Aufschlag

Jetzt kombinierst du Abschläge und Aufschläge.

↓ ↑ ↓ ↑ ↓ ↑ ↓ ↑

Zähle dazu:

1 und 2 und 3 und 4 und

Bei den Zahlen schlägst du nach unten, bei jedem „und“ nach oben.

Schlagmuster 3: Ein typischer Poprhythmus

Ein beliebtes rhythmisches Muster besteht aus mehreren Abschlägen und gezielt gesetzten Aufschlägen.

Beginne mit dieser Achtelnoten-Einteilung:

Zählzeit: 1  &  2  &  3  &  4  &
Schlag:    ↓     ↓  ↑     ↑  ↓  ↑

Die Schlagfolge lautet also:

↓ – ↓ ↑ – ↑ ↓ ↑

Halte die Schlaghand möglichst gleichmäßig in Bewegung. Bei den ausgelassenen Schlägen bewegst du sie weiter, ohne die Saiten zu treffen.

Übe das Muster zuerst auf einem einzigen Akkord, zum Beispiel Em. Erst danach solltest du Akkordwechsel hinzufügen.

11. Dein erstes Lied auf der Gitarre spielen

Für den Einstieg eignet sich eine eigene einfache Begleitübung mit vier Akkorden. Du musst dafür noch kein kompliziertes Musikstück beherrschen.

Verwende die bereits bekannte Akkordfolge:

G | D | Em | C

Jeder Akkord erhält einen vollständigen 4/4-Takt.

So gehst du vor

  1. Stimme zunächst deine Gitarre.
  2. Greife G-Dur und spiele vier gleichmäßige Abschläge.
  3. Wechsle zu D-Dur und spiele erneut vier Abschläge.
  4. Wiederhole das Gleiche mit Em und C.
  5. Beginne die Folge anschließend wieder bei G-Dur.

Wenn du die Akkordwechsel sicher beherrschst, kannst du das zweite Schlagmuster aus dem vorherigen Abschnitt verwenden.

Mit der Zeit entsteht eine gleichmäßige musikalische Begleitung. Du kannst dazu eigene Melodien summen oder einfache Gesangsübungen ausprobieren.

Tipp für deinen ersten Song:Suche dir ein Lied, dessen Akkordfolge ausschließlich aus bereits gelernten Akkorden besteht. Beginne mit einem einfachen Rhythmus und konzentriere dich zunächst auf den Wechsel der Akkorde. Die Originalbegleitung kannst du später ergänzen.

12. Fingerpicking: Erste Zupfübungen

Beim Fingerpicking schlägst du die Saiten nicht gemeinsam an, sondern zupfst einzelne Saiten nacheinander. Dadurch entstehen feinere Begleitmuster und Melodien.

Diese Technik ist besonders in Folk, klassischer Gitarrenmusik und bei akustischen Balladen verbreitet.

Die Fingerbezeichnungen

Beim klassischen Fingerpicking werden häufig folgende Bezeichnungen verwendet:

  • p: Daumen
  • i: Zeigefinger
  • m: Mittelfinger
  • a: Ringfinger

Die Buchstaben stammen aus dem Spanischen.

Einfache Fingerpicking-Übung

Greife den Em-Akkord. Zupfe anschließend folgende Saiten nacheinander:

  1. Tiefe E-Saite mit dem Daumen
  2. G-Saite mit dem Zeigefinger
  3. H-Saite mit dem Mittelfinger
  4. Hohe E-Saite mit dem Ringfinger

Wiederhole die Folge mehrmals.

Die passende Tabulatur lautet:

e|-----------0---|
H|-------0-------|
G|---0-----------|
D|---------------|
A|---------------|
E|-0-------------|

Spiele langsam und achte auf einen gleichmäßigen Rhythmus. Die Greifhand bleibt während dieser Übung in der Em-Position.

13. Gitarren-Tabs lesen lernen

Neben der klassischen Notenschrift gibt es für Gitarre eine besonders einfache Darstellungsform: die Tabulatur, kurz Tab.

Tabs zeigen dir, auf welcher Saite und in welchem Bund du einen Ton greifen musst.

Eine Gitarren-Tabulatur besteht aus sechs horizontalen Linien. Jede Linie steht für eine Saite.

e|----------------|
H|----------------|
G|----------------|
D|----------------|
A|----------------|
E|----------------|

Die oberste Linie stellt die hohe E-Saite dar, die unterste Linie die tiefe E-Saite.

Die Zahlen geben an, welcher Bund gespielt werden soll. Eine 0 steht für eine leere Saite.

Beispiel: Kleine Melodie auf einer Saite

e|----------------|
H|----------------|
G|-0--2--4--2--0-|
D|----------------|
A|----------------|
E|----------------|

Du spielst dabei auf der G-Saite nacheinander die Bünde 0, 2, 4, 2 und 0.

Es erklingen die Töne G, A, H, A und G.

Tabs zeigen dir sehr anschaulich die Griffpositionen. Einfache Tabulaturen enthalten allerdings nicht immer vollständige Angaben zum Rhythmus. Deshalb lohnt es sich, zusätzlich die Grundlagen der Notenschrift kennenzulernen.

14. Der 4-Wochen-Übungsplan für Gitarrenanfänger

Ein sinnvoller Übungsplan hilft dir dabei, regelmäßig Fortschritte zu erzielen. Für den Einstieg sind fünf bis sechs Übungseinheiten pro Woche mit jeweils ungefähr 20 bis 30 Minuten ein guter Ausgangspunkt.

Woche Lernziel Übungen
Woche 1 Gitarre kennenlernen Stimmen, Haltung, Saitennamen, einfache Fingerübungen, Em-Akkord
Woche 2 Erste Akkorde Am, C und G lernen, saubere Töne erzeugen, einfache Akkordwechsel
Woche 3 Rhythmus entwickeln D-Dur, Abschläge, Aufschläge, Metronom, Vier-Akkorde-Folge
Woche 4 Erstes Lied begleiten Akkordwechsel festigen, verschiedene Schlagmuster, einfache Liedbegleitung und Fingerpicking

So sieht eine tägliche Übungseinheit aus

Dauer Übung
5 Minuten Stimmen und Finger aufwärmen
5 Minuten Bekannte Akkorde wiederholen
5 Minuten Akkordwechsel oder neue Griffe üben
5 Minuten Schlagmuster mit Metronom
5 Minuten Einfachen Song oder eigene Begleitung spielen

Dieser Plan lässt sich jederzeit an deinen Lernfortschritt anpassen. Wenn du für einen Akkord oder eine Übung länger benötigst, ist das kein Problem.

Wichtiger als das genaue Einhalten einer Wochenzahl ist, dass du die Grundlagen sauber beherrschst, bevor du schwierigere Techniken ausprobierst.

15. Gitarre selbst lernen oder Unterricht nehmen?

Viele Anfänger möchten Gitarre ohne Lehrer lernen. Das ist grundsätzlich möglich, denn heute stehen zahlreiche kostenlose Videos, Lernplattformen, Onlinekurse und Gitarrenbücher zur Verfügung.

Allerdings fehlt beim Selbststudium häufig das direkte Feedback zu deiner Spieltechnik.

Vorteile des selbstständigen Lernens

  • Freie Zeiteinteilung
  • Geringere laufende Kosten
  • Individuelles Lerntempo
  • Große Auswahl an Online-Lernmaterialien
  • Eigene musikalische Schwerpunkte

Vorteile eines Gitarrenlehrers

  • Individuelle Korrektur der Handhaltung
  • Strukturierter Unterricht
  • Direktes Feedback zu Klang und Rhythmus
  • Persönliche Unterstützung bei Schwierigkeiten
  • Motivation durch regelmäßige Termine

Eine Kombination aus gelegentlichem Einzelunterricht und regelmäßigem Üben zu Hause ist für viele Anfänger besonders sinnvoll.

Wie du ein passendes Unterrichtsangebot auswählst, erklären wir in unserem Ratgeber Wie du den richtigen Musiklehrer findest.

16. Die häufigsten Fehler beim Gitarrelernen

Viele typische Anfängerprobleme lassen sich vermeiden, wenn du von Beginn an einige grundlegende Regeln beachtest.

Fehler 1: Zu viel Kraft beim Greifen

Viele Anfänger drücken die Saiten deutlich stärker herunter als nötig. Das kann die Hand schnell ermüden.

Besser: Suche den geringsten Druck, bei dem die Saite sauber klingt.

Fehler 2: Zu schnelle Akkordwechsel

Wer sofort im Originaltempo eines Songs spielen möchte, entwickelt häufig hektische Bewegungen.

Besser: Übe zunächst langsam und erhöhe das Tempo schrittweise.

Fehler 3: Falsche Gitarrenhaltung

Eine ungünstige Haltung kann das Greifen erschweren und zu Verspannungen führen.

Besser: Kontrolliere deine Sitzposition und halte Schultern und Arme möglichst entspannt.

Fehler 4: Immer nur dieselben Akkorde spielen

Wer ausschließlich bekannte Akkorde wiederholt, verbessert irgendwann kaum noch seine Fähigkeiten.

Besser: Ergänze deine Übungen regelmäßig durch neue Akkorde, Rhythmen und einfache Melodien.

Fehler 5: Die Gitarre nicht stimmen

Eine verstimmte Gitarre erschwert es, den richtigen Klang von Akkorden und Melodien zu erkennen.

Besser: Überprüfe die Stimmung vor jeder Übungseinheit.

Fehler 6: Unregelmäßig üben

Mehrere Stunden an einem einzigen Tag können eine sinnvolle Übung sein. Für den langfristigen Aufbau neuer Bewegungsabläufe sind kürzere, regelmäßige Einheiten jedoch häufig effektiver.

Besser: Versuche, möglichst regelmäßig 15 bis 30 Minuten zu üben.

17. Was tun, wenn die Finger beim Gitarrespielen wehtun?

Besonders am Anfang können die Fingerspitzen empfindlich reagieren. Schließlich müssen sie sich erst an den Druck der Saiten gewöhnen.

Nach einiger Zeit bildet sich bei vielen Gitarrenspielern eine etwas widerstandsfähigere Haut an den Fingerspitzen.

Dennoch solltest du Schmerzen nicht einfach ignorieren.

Folgende Maßnahmen können helfen:

  • Beginne mit kurzen Übungseinheiten.
  • Mache regelmäßig Pausen.
  • Kontrolliere, ob du unnötig viel Kraft beim Greifen verwendest.
  • Lasse eine zu hohe Saitenlage gegebenenfalls im Fachgeschäft korrigieren.
  • Wähle eine passende Gitarre und geeignete Saiten.

Leichte Empfindlichkeit der Fingerspitzen ist anfangs häufig. Bei anhaltenden oder stechenden Schmerzen, Taubheitsgefühlen oder Beschwerden in Handgelenken und Sehnen solltest du das Spielen unterbrechen und die Ursache gegebenenfalls fachlich abklären lassen.

18. Welche Lieder eignen sich für Gitarrenanfänger?

Für deine ersten Songs solltest du Stücke auswählen, die nur wenige Akkorde und einen einfachen Rhythmus enthalten.

Viele bekannte Lieder lassen sich in vereinfachten Versionen mit drei oder vier Akkorden begleiten. Dabei kann es notwendig sein, die Tonart zu verändern oder einen Kapodaster zu verwenden.

Besonders geeignet sind:

  • Einfache Kinderlieder und Volkslieder
  • Popballaden mit wenigen Akkorden
  • Folk-Songs mit gleichmäßigem Rhythmus
  • Langsame Rockballaden
  • Leichte Blues-Übungen

Für den Anfang ist es vollkommen ausreichend, die Akkordbegleitung eines Songs zu lernen. Komplexe Solos oder originale Gitarrenarrangements kannst du später ergänzen.

19. Wie bleibt man beim Gitarrelernen motiviert?

Die ersten Fortschritte sind häufig schnell sichtbar. Sobald die Übungen anspruchsvoller werden, kann es jedoch passieren, dass die Motivation nachlässt.

Einige einfache Gewohnheiten helfen dabei, langfristig am Ball zu bleiben.

  • Setze realistische Ziele: Beispielsweise drei Akkorde innerhalb einer Woche sauber greifen.
  • Übe Lieblingssongs: Musik, die dir gefällt, motiviert besonders.
  • Dokumentiere Fortschritte: Nimm dich gelegentlich beim Spielen auf.
  • Wechsle die Übungen: Kombiniere Akkorde, Melodien, Rhythmus und Fingerpicking.
  • Spiele mit anderen: Gemeinsames Musizieren macht Spaß und verbessert dein Rhythmusgefühl.
  • Akzeptiere langsamere Lernphasen: Nicht jede Übung muss sofort zu einem sichtbaren Fortschritt führen.

Denke daran: Gitarre spielen ist eine Fähigkeit, die sich über Monate und Jahre entwickelt. Es geht nicht darum, möglichst schnell perfekt zu werden, sondern nach und nach selbstständig Musik machen zu können.

Häufig gestellte Fragen zum Gitarrelernen

Kann man sich das Gitarrenspielen selbst beibringen?

Ja. Mithilfe von Lehrbüchern, Videos und strukturierten Onlinekursen kannst du dir die Grundlagen selbst aneignen. Wichtig sind regelmäßige Übungen und eine saubere Technik. Gelegentlicher Unterricht kann helfen, ungünstige Gewohnheiten frühzeitig zu korrigieren.

Wie lange sollte man täglich Gitarre üben?

Für Anfänger sind etwa 15 bis 30 Minuten pro Tag ein sinnvoller Richtwert. Besonders effektiv sind regelmäßige, konzentrierte Übungseinheiten. Du kannst die Zeit später erhöhen, sobald sich deine Hände an die Belastung gewöhnt haben.

Welche Gitarrenakkorde sollte man zuerst lernen?

Besonders gut eignen sich offene Akkorde wie Em, Am, C, G und D. Sie lassen sich ohne Barré-Technik greifen und ermöglichen bereits zahlreiche einfache Akkordfolgen und Liedbegleitungen.

Ist eine Konzertgitarre oder Westerngitarre besser für Anfänger?

Eine Konzertgitarre besitzt Nylonsaiten, die sich für viele Anfänger angenehmer anfühlen. Eine Westerngitarre eignet sich besonders für Pop, Folk und akustische Liedbegleitung. Entscheidend sind deine bevorzugte Musikrichtung, die Größe des Instruments und ein angenehmes Spielgefühl.

Muss man Noten lesen können, um Gitarre zu lernen?

Nein. Viele Gitarrenspieler lernen zunächst mithilfe von Akkorddiagrammen und Tabulaturen. Das Lesen klassischer Noten ist jedoch eine wertvolle Ergänzung, besonders wenn du klassische Gitarre, komplexere Melodien oder Musiktheorie lernen möchtest.

Fazit: Gitarre lernen gelingt mit Geduld und regelmäßiger Übung

Gitarre spielen zu lernen ist ein abwechslungsreiches Hobby, das dir viele musikalische Möglichkeiten eröffnet. Schon mit wenigen grundlegenden Akkorden kannst du einfache Lieder begleiten und erste eigene musikalische Ideen umsetzen.

Für einen erfolgreichen Einstieg solltest du zunächst eine passende Gitarre auswählen, das Stimmen lernen und auf eine entspannte Haltung achten. Danach kannst du dich Schritt für Schritt mit offenen Akkorden, einfachen Schlagmustern und ersten Liedbegleitungen beschäftigen.

Unser 4-Wochen-Übungsplan hilft dir, deine ersten Fortschritte strukturiert aufzubauen. Lass dich dabei nicht entmutigen, wenn manche Akkordwechsel anfangs schwierig erscheinen. Mit regelmäßiger Übung werden die Bewegungen zunehmend vertrauter.

Die wichtigste Regel lautet: Lieber regelmäßig und konzentriert üben als selten und dafür stundenlang.

Deine erste Aufgabe:Stimme deine Gitarre, lerne den Em-Akkord und spiele anschließend vier gleichmäßige Abschläge. Danach probierst du Am aus. Wenn du beide Akkorde ohne längeres Suchen greifen kannst, hast du bereits eine wichtige Grundlage für deine ersten Songs geschaffen.